Offener Brief: Der Hochwasserschutz in Rössing duldet keinen weiteren Aufschub
Am 29. Juni 2026 ist über Rössing erneut ein kräftiges Gewitter niedergegangen. Innerhalb kurzer Zeit schwoll der Rössingbach an, das Wasser stand an den Durchlässen und der Mühle, und an der alten Wehranlage staute sich Treibgut. Was wir an diesem Abend gesehen und fotografiert haben, ist kein Einzelfall – es ist die wiederkehrende Bestätigung eines seit Jahren bekannten Missstandes.
📄 Offenen Brief als PDF herunterladen – im offiziellen CDU-Briefformat, zum Ausdrucken und Weitergeben. Diesen Brief haben wir am 10. Juli 2026 bei der Gemeinde Nordstemmen eingeworfen.

Der Rössingbach fließt mitten durch unseren Ort und mündet erst weit entfernt in die Leine. Bei Starkregen läuft er voll. An der alten Wehranlage wird das Wasser gestaut: Bei Hochwasser muss das Wehr geöffnet werden, damit sich der Bach nicht schon vor dem Ort aufstaut – und es muss rechtzeitig wieder geschlossen werden, bevor der Unterlauf die Wassermassen nicht mehr aufnehmen kann. Beides ist eine Frage des richtigen Zeitpunkts. An diesem Abend geriet zudem ein Baumstamm in die Anlage, sodass sie sich nicht mehr ordnungsgemäß schließen ließ. Genau solche Situationen führen dazu, dass das Wasser ungebremst in die tiefer gelegenen Bereiche schießt.

Ein Missstand mit Geschichte – seit 2017 dokumentiert
Das Thema ist nicht neu. Es ist seit Jahren in den Sitzungen des Ortsrates Rössing und in den Fachausschüssen der Gemeinde dokumentiert. Alle folgenden Aussagen sind öffentlich im Ratsinformationssystem der Gemeinde Nordstemmen nachzulesen – die jeweilige Niederschrift ist direkt verlinkt:
- Juli 2017 – Starkregenkatastrophe: Beim Extremwetter vom 24. bis 26. Juli 2017 trat der Rössingbach über die Ufer, zahlreiche Keller liefen voll, und die Einsatzkräfte standen über Tage im Dauereinsatz. (Niederschrift Fachausschuss vom 22.08.2017)
- November 2017 – Bürgerantrag im Ortsrat: Der Ortsrat setzt eigens den Tagesordnungspunkt „Hochwasserschutz in Rössing im Bereich Rössingbach“ auf. Rössinger Bürgerinnen und Bürger übergeben eine Unterschriftensammlung mit der Forderung, den Bach wieder ordentlich zu pflegen; sie wird einstimmig an die Gemeinde weitergeleitet. (Niederschrift Ortsrat Rössing vom 09.11.2017)
- Februar 2019 – nur „Konzeptplanung“: Das Hochwasser am Rössingbach wird im Ortsrat erneut beraten. Das Ergebnis: Es liege bislang lediglich eine „reine Konzeptplanung“ vor, Entscheidungen seien nicht getroffen. (Niederschrift Ortsrat Rössing vom 07.02.2019)
- November 2020 – Trägerschaft beim Landkreis: Die Planung wandert zum Landkreis Hildesheim, ein Flurbereinigungsverfahren wird erwogen – „mit einer längeren Verfahrensdauer ist zu rechnen“. (Niederschrift Fachausschuss vom 12.11.2020)
- November 2022 – Durchlass zu eng: Im Ortsrat wird festgehalten, dass ein Durchlass für ein Hochwasser HQ 50 zu eng ist und die Sache beim Landkreis weiterhin andauert. (Niederschrift Ortsrat Rössing vom 15.11.2022)
- 2023 – das Wehr bleibt das Nadelöhr: Sowohl im Fachausschuss als auch im Ortsrat wird betont, dass „ohne Klärung der Wehrsituation keine Gesamtplanung erfolgen kann“. (Niederschrift Fachausschuss vom 31.08.2023, Niederschrift Ortsrat Rössing vom 10.10.2023)
- 2024 – Ortsbegehung, „Rechen“ verworfen: Nach einer Ortsbegehung wird ein „Rechen“ vor dem Ort diskutiert und am Ende wieder verworfen. Ein Bürger bezeichnet die veraltete Wehranlage in der Sitzung als „lebensgefährlich“. (Niederschrift Ortsrat Rössing vom 13.02.2024, vom 07.05.2024, vom 05.11.2024)
- 2025 – noch ein Fachbüro: Ein weiteres Fachbüro wird hinzugezogen – „eine Antwort steht noch aus“. Bürgerinnen und Bürger bitten ausdrücklich um eine öffentliche Informationsveranstaltung zum Hochwasserschutz. (Niederschrift Ortsrat Rössing vom 20.05.2025, vom 28.10.2025)
Von 2017 bis heute: zahlreiche Befassungen in Ortsrat und Fachausschüssen, mehrere Begehungen und Fachbüros – und am Ende steht die Lage, die wir am 29. Juni erlebt haben. Aus Sicht der CDU Rössing-Barnten-Adensen wird der Hochwasserschutz in Rössing immer wieder verschleppt.

Offener Brief an die Gemeinde Nordstemmen
Sehr geehrte Frau Bürgermeisterin Dombrowski, sehr geehrte Ratsfrauen und Ratsherren der Gemeinde Nordstemmen,
der Hochwasserschutz in der Ortschaft Rössing ist eine Pflichtaufgabe der Gemeinde Nordstemmen. Nach dem, was wir bei jedem Starkregen erneut vor Ort erleben, können wir nicht erkennen, dass dieser Schutz gewährleistet ist. Wir haben erhebliche Zweifel, dass die dafür notwendigen Prüfungen, Begehungen und Maßnahmen tatsächlich und ordnungsgemäß durchgeführt werden.

Wir fordern die Gemeinde daher auf, das Gegenteil nachzuweisen. Uns interessieren keine Ankündigungen und keine weiteren Ortstermine, sondern Belege für geleistete Arbeit. Wir bitten um schriftliche Beantwortung der folgenden Fragen und um Vorlage der genannten Unterlagen:
- Konzept und fachliche Bewertung: Welches Hochwasserschutzkonzept liegt für Rössing vor? Wer – welche Fachbehörde oder welches Gutachten – bestätigt, dass dieses Konzept und die darin vorgesehenen Maßnahmen ausreichend sind? Bitte legen Sie das Konzept und die fachliche Bewertung vor.
- Umgesetzte Maßnahmen: Welche Maßnahmen wurden bisher konkret umgesetzt? Bitte je Maßnahme mit Datum und Nachweis (Abnahme, Rechnung oder vergleichbarer Beleg).
- Beauftragte und offene Maßnahmen: Welche Maßnahmen sind beauftragt, aber noch nicht umgesetzt – und bis wann werden sie umgesetzt?
- Begehungen und Gewässerschauen: Wann haben die vorgeschriebenen Gewässerschauen bzw. Sichtbegehungen am Rössingbach, am Wehr und an den Durchlässen zuletzt stattgefunden? Bitte legen Sie die Protokolle dieser Begehungen der letzten Jahre, die daraus abgeleiteten Maßnahmen und die jeweiligen Umsetzungsnachweise vor.
- Betrieb und Kontrolle von Wehr und Durchlässen: Wie und durch wen werden Wehr und Durchlässe regelmäßig kontrolliert und unterhalten, und wo sind die Nachweise dieser Kontrollen dokumentiert?
- Eingesetzte Mittel: Welche Mittel wurden in den letzten zehn Jahren für den Hochwasserschutz in Rössing (Gewässerunterhaltung Rössingbach, Wehr, Durchlässe, Rückhaltung und Planung) im Haushalt bewilligt – und welche davon tatsächlich ausgegeben? Bitte schlüsseln Sie dies getrennt nach bewilligten und tatsächlich ausgegebenen Mitteln auf und belegen Sie die Ausgaben mit Verwendungsnachweisen.

Sollten einzelne der angeforderten Prüfungen, Begehungen oder Maßnahmen nicht stattgefunden haben, bitten wir um die klare Aussage, dass dies nicht geschehen ist – und um die Angabe, was die Gemeinde stattdessen zu tun gedenkt.
Wir setzen eine Frist zur schriftlichen Beantwortung bis zum 31. Juli 2026. Die finanziellen Fragen – welche Mittel für den Hochwasserschutz in Rössing bewilligt und tatsächlich ausgegeben wurden – wird Julia Kantack zusätzlich in den zuständigen Fachausschüssen (Bau und Finanzen) einbringen.
„Es kann nicht sein, dass erst gehandelt wird, wenn die Keller volllaufen“
Gedanken von Julia Kantack, stellvertretende Ortsbürgermeisterin von Rössing und Kandidatin für den Ortsrat Rössing und den Gemeinderat:
„2017 war das letzte große Hochwasser, bei dem unsere Rettungskräfte drei Tage lang in Rössing im Einsatz waren. Die Straße am Denkmal wurde zum Brennpunkt, zahlreiche Keller ober- und unterhalb des Wehres liefen voll, das Pumpwerk am Rössingbach und die alte Kläranlage fielen aus, die Maschstraße stand unter Wasser. Danach sollte endlich ernsthaft Hochwasserschutz betrieben werden. In den Berichten und in den Sitzungen ging es jedoch fast ausschließlich um den Salzbach – der Rössingbach geriet in den Hintergrund.
Es gab eine Ortsbegehung mit allen Verantwortlichen: Ortsrat, Bürgermeisterin, Gemeindeverwaltung, Leineverband, Realverband und sogar dem Biberbeauftragten. Zu einem greifbaren Ergebnis hat sie nicht geführt. Als stellvertretende Ortsbürgermeisterin habe ich das Thema immer wieder auf die Tagesordnung gesetzt – geschehen ist zu wenig. Ein Ortstermin wurde für Anfang 2026 angekündigt, ein konkreter Termin aber nie genannt; auch nach der Sitzung im Mai blieb es bei der bloßen Ankündigung. Jetzt ist Anfang Juli, und wir warten weiter.
Der Abend des 29. Juni zeigt, was das in der Praxis bedeutet: Das Wehr wurde zu spät geöffnet, der Unterlauf kann die Wassermassen nicht mehr aufnehmen. Das Becken an der Mühle ist vollgelaufen, der Bach tritt unterhalb beinahe über die Ufer. An der Gemeindestraße, die um Rössing herumführt, fehlt ein zusätzlicher Durchlass – das Wasser staut sich bis unter die Betondecke, an einer Stelle bildet sich ein Strudel, genau wie 2017. Hinzu kommt, dass der Bachlauf nicht ausreichend freigeschnitten ist: Vor den Durchlässen wachsen Sträucher, die das Wasser zurückhalten. Das muss dringend beseitigt werden. Es darf nicht immer erst dann gehandelt werden, wenn unsere Einsatzkräfte tagelang gebunden sind. Der Hochwasserschutz in Rössing ist überfällig.“

Wir bleiben dran
Die CDU Rössing-Barnten-Adensen wird das Thema Hochwasserschutz weiter konsequent verfolgen – im Ortsrat, im Gemeinderat und in der Öffentlichkeit. Wir erwarten von der Gemeinde Nordstemmen zeitnah verbindliche Antworten und vor allem sichtbare Taten. Die Menschen in Rössing haben ein Anrecht darauf, in ihren Häusern sicher zu sein.
Uwe Dietrich Vorsitzender des CDU-Ortsverbandes Rössing-Barnten-Adensen
Julia Kantack Stellvertretende Ortsbürgermeisterin von Rössing, Mitglied der CDU-Fraktion (parteilos)